Mit dem Ritter Werner von Ursel tritt Niederursel erstmals auffällig ins Licht Deutscher Geschichte.

Um 1280 wurde Werner von Ursel auf der väterlichen Burg in Niederursel geboren. Der Vater hieß ebenfalls Werner von Ursel und die Mutter war Kunigunde von Ulfa, einem Dorf zwischen Hungen und Schotten. Aus der Jugend dieses Ritters ist nur wenig bekannt, er muss früh in den Deutschen Orden eingetreten sein. 1312 war Werner von Ursel Komtur zu Ragnit an der Memel. 1314 oder Anfang 1315 wurde Werner von Ursel Großkomtur des Deutschen Ordens auf der Marienburg und 1329 wurde er zum Hochmeister des Deutschen Ordens gewählt. Werner von Ursel war einer der bedeutendsten Hochmeister des Ordens, dem wir nicht nur eine Reform des Ordens, sondern auch zahlreiche Stadtgründungen in Ostpreußen verdanken. Dazu nur zwei Zitate.

Der Biograph Kollmann schreibt: “ … mit Orseln trat zum ersten Male einen Mann unmittelbar aus der Reihe der preußischen Gebietiger an die Spitze des Ordens, was seit dem zur dauernden Regel geworden ist. … Orseln eröffnete die Reihe der stolzen Hochmeistergestalten des 14. Jh., die den höchs­ten Ruhm des Deutschen Ordens begründeten, indem sie allein den Belangen des autonomen Ordensstaates dienten.“

Und Schumacher schreibt 1959 zu den Hochmeistern des 14. Jh.: “ … , alle wahrhaft königlich an Macht­fülle und Auftreten nach außen, an väterlicher Sorge für das Land und feinsinniger Pflege geistiger Kultur.“

Am 18.11.1330 lauerte der Ordensbruder Johann von Endorf Werner von Ursel nach der Vesper auf und erstach den Hochmeister in einem Racheakt. 1344 kommen sich Frankfurt und Niederursel erstmals näher: Die Stadt erwirbt von Ritter Friedrich das Öffnungsrecht an der Niederurseler Burg. Rund 100 Jahre später, 1439, kommen sich Niederursel und Frankfurt noch näher, denn Vogt Henne von Ursel verkauft Niederursel für 4700 Gulden, je zur Hälfte an die Stadt Frankfurt und die Kronberger Ritter.

Von 1439 bis 1700 folgen 260 schwere Jahre für Niederursel: Brände, die Pest, Plünderungen und Einquartierungen. So hat Niederursel z.B. 1439 nach einer Pestepidemie nur noch 21 Einwohner.

Dauernd hatten die Niederurseler dabei unter der „ideellen“ Teilung des Dorfes, unter den Streitigkeiten zweier Herrschaften zu leiden. 1714 wurde Niederursel deshalb dann real zwischen den Solms- Rödelheimer und Frankfurt geteilt.

1716 wurde das Rathaus in der Frankfurter Dorfhälfte, 1718 das Solms- Rödelheimische Rathaus errichtet. 1806 fiel die Frankfurter Dorfhälfte zusammen mit der Stadt Frankfurt unter französisches Protektorat, die solmsische Hälfte fiel dem Großherzogtum Hessen zu. Noch im Herbst des gleichen Jahres trat der Großherzog von Hessen seine Hälfte von Niederursel (das sog. Unterdorf) an den Fürstprimas ab. Niederursel wurde für kurze Zeit unter einer Herrschaft geeint. 1815 kam die frühere solmsische Hälfte unter die Herrschaft des Kaisers von Österreich. Frankfurt war schon vorher selbständig geworden und hatte dabei auch seine Hälfte von Niederursel zurückerhalten. 1816 kam das Unterdorf wieder zum Großherzogtum Hessen.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ging es dann aufwärts mit Niederursel. 1851 wurde der Friedhof um die Kirche vor das Dorf verlegt, 1855 wurde die erste Schule neben der Kirche gebaut, 1866 wurden beide Dorfhälften preußisch und dem Landkreis Frankfurt angegliedert.

Ab 1873 entstanden dann in Niederursel eine Reihe von Ziegeleien, die für den Bauboom in Frankfurt produzierten und 1898 schließlich wurde Niederusel mit insgesamt 868 Einwohnern vereint. Im gleichen Jahr wurde die Turngemeinde Niederursel gegründet. 1905 war die Wasser­leitung nach Niederursel fertig und 1907 schließlich wurde das Dorf an das städtische Gasnetz angeschlossen.

Werner von Ursel, Hochmeister des Deutschen Ordens CN

Marienburg an der Nogat WU

Öffnungsrecht an der Niederurseler Burg CN